Ich zähle aus aktuellem Anlass 1 + 1 zusammen:

1: Während es zahlreiche Fälle von Corona-Impfschäden gibt wie hier diesen besonders authentisch dokumentierten, die aber mitunter als „Postcovid nach Impfung“ oder häufig als ME/CFS teilweise verschleiert werden:

https://www.youtube.com/watch?v=5v2dX9UK-Sg

+ 1: Und bei dieser – richtigen und wichtigen – Initiative für Menschen mit Long Covid und ME/CFS gleichzeitig der Begriff Post-Vac oder Impfgeschädigte *nicht vorkommt*, weil speziell grüne und andere angeblich für Solidarität einstehende Politiker*innen beharrlich die Augen vor der Realität verschließen, die Schäden an Gesundheit und Leben ihrer eigenen Impfkampagne verdrängen und unsichtbar machen:

https://orf.at/#/stories/3433691/

= 2: Ist das ein wichtiger (nicht der einzige) Grund, warum AfD und FPÖ seit der Pandemie stärker werden: Sie sind die einzigen, die dieses Thema diskutieren. Das Überlassen dieses Diskurs-Monopols könnte man auch als „Wahlwerbung für rechts“ bezeichnen.

Die Lösung aus meiner Sicht: Linke, Grüne, Soziale und Progressive aller Fraktionen sollten das Thema Grund- und Menschenrechte, autoritäres Pandemie-Management, den Schutz demokratischer Standards in Krisen und das Bemühen um einen inklusiven und wertschätzenden öffentlichen Diskurs (was mehr erfordert, als „Hass“ im Netz einseitig den „Rechten“ zuzuschreiben) offensiv zum Thema machen, eigene Fehler eingestehen (siehe Slowenien) und beweisen, dass sie zu ihren langjährigen Grundwerten stehen: Menschenwürde als höchster Wert, Patient*innen-Orientierung im Gesundheitssystem, Selbstbestimmung über den eigenen Körper („my body, my choice“), Achtung des Grundrechts auf Unversehrtheit (Aufwertung zu absolutem Grundrecht), freie und gut informierte Impfentscheidung ohne Druck und Ausgrenzung von gesellschaftlicher Teilhabe oder Freiheitsentzug bei „falscher“ persönlicher Entscheidung, echte Solidarität mit allen Benachteiligten, deren Leben sich mit Lockdowns verschlechtert hat, die an Long Covid leiden und die mit ME/CFS zu kämpfen haben, unabhängig davon, ob nach Infektion oder Impfung. Benennung und Quantifizierung der Impfschäden und deren umfassende Entschädigung. Benennung des Risikos eines Laborursprungs und damit einer ersten anthropogenen Pandemie von globalem Ausmaß. Diskussion darüber, wie in Zukunft anthropogene Pandemien vermieden (Restriktion der Gain-of-function-Forschung) und die Zahl natürlicher Pandemien verringert werden kann – durch nachhaltigere und naturverbundenere Lebensweise. Gesunde Skepsis gegen globale Pharmakonzerne und ihre Milliardengewinne, Suspendierung des Patentschutzes in Gesundheitskrisen, Größengrenzen für Unternehmen und bessere öffentliche Güter, zum Beispiel durch Steuern auf große Vermögen und Erbschaften zur Finanzierung einer humaneren Gesundheits- und Pflegeversorgung. Mehr Demokratie zur Begrenzung der Macht und des Reichtums der Oligarchen, Tech Bros und „Philantropen“. Ich bin überzeugt: Wenn Grüne, Linke, Soziale, Liberale und Progressive diese Themen ehrlich und offensiv angehen, dann werden die Wähler*innen zurückkommen.

PS: Kleine schnelle Rechnung zum Ausmaß der Corona-Impfschäden in Österreich: Die Google-KI bietet als erste Zahl und Quelle die Oberösterreichischen Nachrichten vom 2. Mai 2025 (mehr als ein Jahr alt – findet die KI nichts Aktuelleres?). Damals waren 2.655 Anträge nach dem Impfschadensgesetz gestellt worden. Wenn man unter Berücksichtigung der absoluten Nicht-Solidarität mit Impfgeschädigten, der massiven gesellschaftlichen Verdrängung des Themas und der hohen Antragshürden (bei Betroffenheit, Beeinträchtigung und seelischem Schmerz) von einer Antragsquote von 1 : 3 ausgeht – was hieße, dass jeder dritte schwere Impfschaden zu einem Antrag nach dem Impfschadensgesetz geführt hat –, dann wären das 8.000 Betroffene von schweren Impfschäden in Österreich. (Der Faktor 3 ist vorsichtig angesetzt: Eine Überblickstudie geht bei schweren Nebenwirkungen von einem Underreporting von 1 : 5 aus.) Bei einer Bevölkerung von 9,2 Millionen und einer Impfquote von knapp 75 Prozent (ORF 2023), also 6,9 Mio. mindestens einmal geimpften Menschen, ergäbe der Faktor 3 einen schweren Impfschaden je 870 geimpfter Personen. Das ist nahezu deckungsgleich mit der Studie eines des Herausgebers des British Medical Journal, Peter Doshi, der auf 1 schweren Impfschaden je 800 geimpfte Personen kam (MDR, 14. Oktober 2022). Wenn aber mehr als 1 von 1000 Personen von schweren Nebenwirkungen betroffen sind, spricht das Paul-Ehrlich-Institut nicht mehr von „extrem seltenen“ Nebenwirkungen, wie es immer wieder betont wurde, sondern von „gelegentlichen“ Nebenwirkungen. Jede andere Impfung wäre bei dieser Häufigkeit abgebrochen worden, wie zuletzt die Impfkampagne während der Schweinegrippe.

Doch Vorsicht: Jetzt bedarf es der Differenzierung. Jemand, der zunächst sachlich daran erinnert, dass frühere Impfkampagnen bei Überschreiten einer bestimmten Zahl von Nebenwirkungen fraglos abgebrochen wurden, ist mitnichten ein „Impfgegner“ – ich wurde in einigen Medien so bezeichnet, als ich mich öffentlich für eine kostenlose (solidarisch mit Steuergeld finanzierte) Impfung, jedoch nur im Fall mit einer freien und gut informierten Impfentscheidung und ohne Nachteile bei Nichtimpfung aussprach; dazu stehe ich unverändert zu hundert Prozent. Auch ex post betrachtet wäre heute mein Lösungsvorschlag nicht, die Corona-Impfungen zu verbieten oder die bedingte Marktzulassung vollständig zurückzunehmen. Aus zwei Gründen: a) viele Menschen haben sehnlichst auf die Impfung gewartet und b) die Impfung hat auch viele Menschenleben gerettet (wenn vermutlich auch nicht so viele Millionen, wie einige – stark kritisierte – Studien nahegelegen). Eine gute Lösung bestünde (hätte in der Corona-Pandemie darin bestanden und besteht bei einer zukünftigen Pandemie) darin, ein neues und neuartiges Arzneimittel mit bekannten „gelegentlichen“ Nebenwirkungen im Rahmen eines deklarierten medizinischen Experiments kostenlos anzubieten, womit weiterhin jeder Mensch die Möglichkeit hätte, das Arzneimittel kostenlos in Anspruch zu nehmen. Jedoch würde bei dieser Lösung automatisch der Nürnberger Kodex gelten. Damit wird die Teilnahme am Experiment strikt freiwillig und niemand, der sich an dem Experiment nicht beteiligt, dürfte daraus irgendwelche Nachteile erleiden: berufliche, soziale, oder andere. Die Dämonisierung von Menschen, die sich nicht an einem medizinischen Experiment beteiligen („Pandemie der Ungeimpften“), weil sie ihrer Grundrechte auf körperliche Selbstbestimmung und Unversehrtheit wahrnehmen, würde als Hassrede im öffentlichen Diskurs zurückgewiesen werden oder sogar strafrechtlich relevant (Verhetzung). Es gibt versöhnliche Lösungen zwischen einerseits Impfpflicht und radikaler Solidarität mit Pharmakonzernen (Anhebung der Anerkennungsschwelle für Impfschäden durch eigene Spahn-Verordnung, Übernahme der Schadenersatzkosten durch den Staat, Abschluss milliardenschwerr Verträge per geheimer SMS-Kommunikation) und Impfgegnerschaft auf der anderen. Um differenzierte Lösungen zu finden braucht es aber die Achtung der Menschenwürde als oberste Maxime – nicht „Gesundheitsschutz“, wie u. a. die Leopoldina die Werte grundrechtswidrig verdrehte -, es bräuchte die konsequente Gültigkeit des Prinzips „My body, my choice“ (nicht dessen Anrufung nach Belieben), den Respekt der anderen Meinung und Inklusion auf allen Ebenen:

– von Menschen in die gesellschaftliche Teilhabe, unabhängig von einem bestimmten Arzneimittelstatus;

– von Menschen in die soziale Wertschätzung, die sich anders entschieden haben als die Regierung empfohlen hat oder die Medien es kampagnisieren;

– von Menschen anderer Meinung in den öffentlichen Diskurs, um alle Meinungen, Sichtweisen und „Breitengrade“ zwischen den „Polen“ im öffentlichen Diskurs sichtbar zu machen, mit anderen Worten: „Entpolarisierung“. Letzteres wäre eine Schlüsselaufgabe von Qualitätsmedien.

Solidarität braucht es jetzt, auch einige Jahre nach der Pandemie:

– mit Menschen, die an Post Covid, Long Covid, ME/CFS oder an Depressionen, Stimmungsschwankungen und Angstzuständen infolge der Lockdown-Erfahrung leiden;

– mit Menschen, die einen Impfschaden erlitten haben, indem man sie ernst nimmt, ihnen glaubt, ihnen entsprechende Diagnosen stellt, ihre Therapiekosten übernimmt und ihnen und ihren Angehörigen die erlittenen körperlichen und seelischen Schäden zumindest abmildert, durch finanzielle Entschädigungszahlungen und öffentliche Entschuldigungen für die Behauptung, die Impfung wäre „nebenwirkungsfrei“ (Karl Lauterbach) und für ähnliche Behauptungen in der öffentlichen Impfkampagne in Österreich;

– mit den Senior*innen, eine gesundheitliche wie soziale Hochrisikogruppe, der man vor der Pandemie eine menschenwürdige Mindestpension/-rente und ein lückenloses öffentliches Pflegesystem verweigert hat und nach der Pandemie erneut verweigert – die „Solidarität“ mit ihnen (die auch darin – nicht – bestand, dass viele Eltern und Großeltern isoliert und einsam in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ohne Kontakt und Verabschiedung von ihren engsten Familienangehörigen sterben mussten) war fadenscheinig und deshalb auch so schnell vergessen wie sie in der Pandemie plötzlich vorgeschoben wurde;

– mit Kindern und Jugendlichen, die zuerst in kontraproduktiven Lockdowns ihrer essenziellen sozialen Kontakte und Beziehungen beraubt wurden und dann zu einer Impfung gedrängt wurden, die in ihrer Altersgruppe medizinisch nicht indiziert war: Während sie keine Risikogruppe waren, sind die Impfnebenwirkungen bei den 18- bis 44-jährigen mit Abstand am stärksten ausgeprägt (Bundesamt für die Sicherheit im Gesundheitswesen 2023);

– mit dem Gesundheits- und Pflegepersonal, „systemrelevanten“ Berufen oder auch: den Fürsorge-Arbeiter*innen, die schon vor der Pandemie teilweise unter prekären und manchmal unter an oder über die Belastungsgrenze gehenden Bedingungen beruflich tätig waren und weiterhin sind: Sie brauchen kürzere Arbeitszeiten, humanerer Arbeitsbedingungen und bessere Bezahlung. Gesundheit ist ein hohes Gut, und die Arbeit in der Gesundheitsversorgung sollte keine geringere gesellschaftlichen Anerkennung und keine geringere finanzielle Wertschätzung erfahren als die Arbeit in der Finanzindustrie.

Die nächste Pandemie kommt, sei es eine anthropogene oder eine natürliche. Eine gesamtgesellschaftliche – demokratiepolitische, grundrechtliche, wissenschaftliche, soziale – Aufarbeitung ist noch nicht gelungen. Wenn wir uns die Wiederholung eines kollektiven Traumas wie das Management der Covid-19-Pandemie ersparen wollen, müssten wir jetzt diese Thema im breiteren Kontext – Demokratie, Grundrechte, Krisenmanagement, Ungleichheit, ganzheitliches Gesundheitsverständnis, kritisches Wissenschaftsverständnis – offensiv angehen. Politisch wäre das m. E. – neben der Verbreiterung der ökonomischen und politischen Teilhabe und einer konsequenten Friedenspolitik – eine der wirksamsten Strategien, um den Stimmenverslust an AfD und FPÖ umzukehren.

* * *

Das größere Bild und genauere Informationen, vor allem konkrete Lösungsvorschläge zur Stärkung und Weiterentwicklung des Systems der Grund- und Menschenrechte finden sich im aktuellen „Lob der Grundrechte„.

Zum Buch gibt es auch einen Film von Patricia Marchart und Georg Sabransky.