Persönliches

Ökologische Spiritualität:
individuelle Autonomie und universale Verbundenheit (2013)
Der freie Mensch – Autonomie und Verantwortung
Vortrag während der Goldegger Dialoge

Innere Umwelt – Versuch einer ökologischen Spiritualität (2000)

Wenn das Great Chief Seattle gesehen hätte: Die Autobahnen wachsen nach Osteuropa, in China sprießen die Fabriken, Hochspannungsleitungen durchziehen den Regenwald. Die industrielle Landschaftsverformung globalisiert sich (rechtzeitig, bevor das Öl ausgeht). Die Materialflüsse schwellen an, Städte wuchern ins Umland. Der ökologische Fußabdruck der Industriegesellschaft nimmt Elefantengröße an.

Doch Material allein macht nicht glücklich. Angstzustände, Allergien, Depressionen und Vereinsamung wachsen parallel zum BIP. Mitunter sogar Arbeitslosigkeit und Armut. Gerade dann heißt es umso lauter: Wachsen. Noch schneller als bisher. Damit die Arbeitslosigkeit zurückgeht, damit Umweltschutz leistbar wird, damit der Euro gegenüber dem Dollar nicht ins Bodenlose fällt.

Und selbst drei Prozent Wirtschaftswachstum werden allmählich fad, das wahre Fieber verlagert sich auf die Börsen und ins Internet, dort liegt die Zukunft und der Profit. Doch während wir gebannt auf den Bildschirm starren, entgeht uns nicht nur, was „draußen“ vor sich geht, sondern auch, was sich in uns drinnen abspielt.

Schade, weil: Umweltschutz beginnt im Herzen. Vorausgesetzt, Gott sitzt drinnen. Das haben wir sehr lange gehört, aber kaum verstanden. Denn Gott wohnte der Landmeinung zufolge im Himmel. Diese Auslagerung hat uns nicht nur unserer Göttlichkeit beraubt, sondern auch ein physisch-hierarchisches Autoritätsverständnis zementiert: „Er“, der Allmächtige, dort „oben“.

Wenn wir nun Gott nicht länger als kreative Person im Dachatelier begreifen, sondern als allen Erscheinungen immanentes Schöpfungsprinzip, dann bedeutet dies, dass Gott in jedem und jeder von uns wohnt, in allen Wesen und Dingen – Gott ist dann überall. Das geht als Prinzip oder Geist leichter denn als Person, weil da müsste Er sich vielteilen.

Diese Sicht ändert einiges: Zum Beispiel findet die Gottsuche nicht außen, sondern innen statt. Gott „von Angesicht zu Angesicht“ schauen bedeutet dann, sich selbst zu erkennen, wie es die moderne Psychologie als verlässlichsten Weg zu Glück und Zufriedenheit empfiehlt. Carl Gustav Jung etwa meinte: „Der Sinn des Lebens ist, so zu werden, wie wir sind.“ Auch Ödön von Horwaths Bonmot: „Eigentlich bin ich ganz wer anderer, nur komme ich nie dazu“, spielt auf eine unterlassene Gottsuche in diesem Sinn an. Gott zu finden bedeutet demnach, sein natürliches Potential als Mensch zu erkennen und zu entfalten und es nicht, wie das so oft der Fall ist, durch unnötige Schranken zu behindern: Durch Verdrängungen in der emotionalen Entwicklung; durch Vernachlässigung in der leiblichen Entwicklung; durch ein Übergewicht des Intellekts in der geistigen Entwicklung. Zu letzterer gehört eine stille, aber wache Verbindung zu allen Mitwesen, ein gewisses „Online-Gehen“ in der einzig wirklich immateriellen Kommunikation.

Um diese Kommunikation soll es hier gehen. Gehen wir „online“, nehmen wir intuitiv Kontakt mit dem Vogel, dem Fels oder der Eiche auf, es findet so etwas wie eine gegenseitige Bestärkung statt, man kann es auch Liebe nennen, die aus der gegenseitigen Wahrnehmung, gegenseitigen Achtung und dem wechselseitigen Sich-Erfreuen am jeweils anderen erwächst: Das Energie-Niveau aller Beteiligten steigt an. (Eine Eiche kann auch als Heizressource oder gar als Weghindernis für die „freie Fahrt“ betrachtet werden.) Geht man noch einen Schritt weiter, kann man das Ansteigen des Energie-Levels als „Ernährung“ ansehen, zumindest in dem Sinne, dass unser Bedürfnis nach „Erleben“ und Ästhetik, aber auch nach sozialem Austausch in Form der beschriebenen Kommunikation gestillt wird. Dann gesellt sich zur „Liebe“ Dankbarkeit und – zwangsläufig – eine Art Tötungshemmung gegenüber dem Kommunikationspartner Eiche, Fels oder Vogel. Weiter gefasst: gegenüber der Natur, dem Planeten, der Lebens- und Ökosphäre.

Charakterskizze des autoritär erzogenen Österreichers (1997)

Ehe wir der autoritären Erziehung verlustig gehen, möchte ich ihr ein Denkmal, oder besser Mahnmal setzen, indem ich mich an den Versuch heranwage, ihr trauriges Opus, den „selbst-losen“, gehorsamen, naturentfremdeten und innerlich leeren Menschen in seinen grundlegenden Wesenszügen zu beschreiben. Wenn auf der Reise durch seine Seele en passant tiefe Wurzeln von Krieg, Umweltzerstörung und männlicher Machtsucht freigelegt werden, dann ist das nur willkommen, zumal die an der sichtbaren Oberfläche ansetzenden Erklärungsbemühungen meist unbefriedigend auszufallen pflegen. Schließlich hoffe ich auch, das Wesen der abendländischen Gesellschaften, die sich mit Hilfe der autoritären Erziehung so hartnäckig (evolutionslos) reproduzieren, weiter zu erhellen.

Werfen wir einen nüchternen Blick auf die Österreicher: Strotzen wir vor Selbstwertgefühl, oder sind wir nicht in der großen Mehrheit würdige Deix-Modelle? Gäbe es keine notleidende Alpenvolksseele, worüber hat dann Erwin Ringel geschrieben? Überspitzt formuliert gleicht das Postnaziösterreich einer Truppe verkrüppelter Seelen mit prominenten Clubs von Schizophrenen, Neurotikern, Psychotikern, Paranoiden, Depressiven und Selbstmördern. Die „Normalen“ täten gut daran zu erkunden, warum und vor allem um wieviel sie der pathologischen Zone entgangen sind (laut Definitorik der heute gültigen Normalität, die nicht selten als der eigentliche Wahnsinn betrachtet werden muss). Ein Blick auf die „kollektive Pathologie“ oder eben die Charakterbeschreibung des typischen autoritär erzogenen Österreichers, dessen Kindheit alle Zutaten für einen gelungenen Schiffbruch in der Persönlichkeitsentwicklung enthält, mag den „Gesunden“ einladen, sich der Haaresbreite bewußt zu werden, die ihn vom Abgrund trennt, um einerseits den Abstand auf sichere Distanz zu vergrößern und andererseits endlich die Gradwandler und Absturzopfer zu verstehen – als nächstverwandte, vom eigenen Entwicklungsstand oft nur wenige Zentimeter entfernte Mitmenschen.

1. Unterlegenheit und Angst:
Da autoritäre Eltern ein fixes Bild davon zu haben pflegen, wie ihr Spross denn so gedeihen soll, wie sie ihn formen und schmieden wollen, kollidieren die Bedürfnisse notwendigerweise. In diesem Urkonflikt ist das Kind immer der Schwächere. Seine Schlüsselerfahrung ist Unterlegenheit, die daraus resultierende Hauptempfindung Angst (vor Strafe, Gewalt oder Liebesverlust). Die Angst wird zum wichtigsten Lebensantrieb der autoritär Erzogenen. Sie suchen nicht vorrangig Lust, sondern Unlustvermeidung. Eine „defensive Lebensführung“ kennzeichnet sie. Sie weichen all jenen Verhalten aus, welche die in ihnen weiterlebenden Eltern missbilligen würden. (Ängstlicher) Gehorsam eilt nicht nur voraus, er hält auch lange an.

2. Selbstverrat, Selbsthass:
Wenn das Kind lernt, sich an den Gefühlen, Gedanken, Werten der stärkeren Eltern zu orientieren, unterdrückt es das eigene Innenleben: es begeht Selbstverrat, der seinerseits Selbsthass auslöst. Wenn ich mir verbiete, so zu sein, wie ich bin (und sei es nur aus Furcht vor Strafe oder Liebesverlust), kann ich nicht mein Freund sein.

3. Verlust von Autonomie, Anpassung, Gehorsam:
Anstatt also das Meine zu leben (Autonomie), dränge ich es zurück und nehme das Fremde herein (Heteronomie). Ich verlerne, in mich hineinzuhorchen und achte bald nur mehr darauf, was von außen kommt. Ich passe mich an und lege den Grundstein für meinen Gehorsam, den ich jederzeit zu leisten bereit bin, wenn ich nur im Gegenzug mit der elterlichen Liebe rechnen kann.

25 Gründe gegen das Privatauto (1997)

1. Stiller Krieg
Jährlicher Tod von über tausend Österreichern. Zwischen 1960 und 2000 starben über 75.000 Menschen auf Österreichs Straßen, mehr als zwei Millionen wurden verletzt. Während die Zahl der Toten von durchschnittlich 2.500 in den siebziger Jahren auf 1.250 in den Neunzigern gesunken ist, steigt die der Verletzten wieder an – auf 56.000 pro Jahr. Kein anderes Sozialverhalten von dieser Gefährlichkeit würde gebilligt werden. Kein anderes Sozialverhalten von dieser Tödlichkeit dürfte beworben werden. Zu jedem anderen Sozialverhalten mit so vielen Opfern würde man fieberhaft Alternativen suchen. Auf den Straßen der EU herrscht Krieg. Jährlich 45.000 tote Zivilisten, darunter Frauen und Kinder. Nur: Dieser Krieg ist nicht in den Medien. Er ist Alltag.

Weltweit sterben jährlich 1,2 Millionen Menschen im Verkehr. 20 bis 50 Millionen werden schwer verletzt. In den Industrieländern ist die Zahl rückläufig, in China stieg sie seit 1975 um 250 Prozent. Die erste Verkehrstote war die Britin Bridget Driscoll. Die 44-jährige Mutter von 2 Kindern wurde am 17. August 1896 von einem Auto eines jungen Mannes in London erfasst und starb. Der Motorwagen hatte AugenzeugInnen zufolge eine „ungeheure Geschwindigkeit“ – mit knapp 13 km/h rund die doppelte, für die er angelegt war. Der junge Fahrer wollte einer Dame imponieren. Der Untersuchungsrichter mahnte damals: „So etwas darf nie wieder passieren.“

2. Fahrlässiger Mord?
Die Autofahrer bringen sich nur gegenseitig um. Jeder, der da mitmacht, ist selbst schuld. Sagen die Autofahrer. Zahlen? 1961-1966 starben 2825 Autofahrer auf Österreichs Straßen. Und 3718 Fußgänger! (57.000 wurden überfahren, ohne zu sterben.) Wenn heute nicht mehr so viele Fußgänger umgebracht werden, dann nicht, weil die Gefahr abgenommen hätte, sondern weil immer weniger Menschen es noch wagen, zu Fuß unterwegs zu sein und, so sie es dennoch tun, inzwischen höllisch aufpassen und siebenmal links und rechts schauen, bevor sie sich mit radikal eingeschränkter Bewegungsfreiheit weitertrauen. (Das Risiko pro Kopf steigt weiter an.) Von fahrlässiger (Fahr‘ lässig!) Tötung zu sprechen halte ich für verharmlosend, weil das Überfahren von Menschen durch Autofahrer System hat und somit jeder, der sich hinter das Lenkrad klemmt, weiß, dass er damit das Leben von Fußgängern gefährdet, und welcher Lenker, der plötzlich jemanden unter den Rädern hat, hätte sich träumen lassen, daß es eines Tages ihm „passieren“ würde? Das In-Kauf-Nehmen von Risken bedeutet die volle Verantwortung. Das Überfahren und Verletzen von nach wie vor 5.000 Fußgängern (1996) ist eine kollektive Schuld aller österreichischen Autofahrer, an der man sich beteiligt, sobald man ins Auto steigt. Dann erst kommen die anderen Autofahrer (1996: 625 Tote und 31.000 Verletzte). An drei Viertel der Unfälle, bei denen Fußgänger getötet werden, sind laut Justiz die Autofahrer schuld.